Aus zwei mach eins
Susanne Beißwenger bringt mit ihrem Unternehmen "Finanzkultur" frischen Wind in Ihren kaufmännischen Bereich. Denn sie verbindet zwei Seiten, die bislang nicht unbedingt in einem Atemzug genannt wurden und doch ohne einander nicht erfolgreich existieren können: Die Rede ist von Finanzen und Kultur. Warum das so ist, verrät die studierte Betriebswirtin in diesem Interview.
Finanzkultur klingt in meinen Ohren sehr wohltuend. Mir leuchtet ein, dass Kultur ohne eine solide Finanzierung nicht auskommt. Nur was heißt das umgekehrt? Brauchen Finanzen denn auch Kultur?
Aber ja, und genau darum geht es auch in meiner Arbeit. Viele kleinere und mittelständische Unternehmen vernachlässigen eine klare und handelbare Finanzstruktur. Sie konzentrieren sich oftmals auf ihre Kernkompetenzen, die meist in einem anderen Bereich liegen. Das ist völlig verständlich, doch gleichzeitig braucht ein Unternehmen eine Professionalisierung im kaufmännischen Bereich. Sonst bleibt langfristig der Erfolg aus. Und genau da setzt meine Arbeit an.
Mit anderen Worten: Sie benützen den Begriff Kultur im übertragenen Sinn: Sie sorgen für eine Kultivierung im kaufmännischen Bereich?
Ja, so sehe ich das. Zu einer professionellen Struktur gehören ein Budget für lang- mittel- und kurzfristige Planung, die geeignete Software und die Verdichtung der gesammelten Daten zu entscheidungsrelevanten Informationen. Auf dieser Basis können die Unternehmen ihren Erfolg besser kontrollieren, messen, steuern und – besonders entscheidend – bei Abweichungen zeitnah reagieren. Wer kennt das nicht: Unerledigte Aufgaben machen unterschwellig ein schlechtes Gewissen und hemmen die Kreativität. Um all das kümmere ich mich.
Wunderbar. Klingt, als könnte ich Sie auch gleich beschäftigen. Wie gehen Sie konkret vor?
Da jedes Unternehmen anders ist, möchte ich es bildlich erklären: Für mich ist ein Betrieb wie ein Park: Es gibt Gehwege, Rasenflächen und Bänke sowie kultivierte Beete als Grundstruktur, aber auch eine große Insel, die nur ganz selten gemäht wird. Dort ist Platz für Innovation und Improvisation. Und ganz wichtig: Von jedem Standpunkt aus, ist der Blick frei auf diese Insel. Das ist der Idealfall. Finanzkultur setzt hier an und schafft die Struktur wie Gehwege, Rasenflächen, Bänke und Beete und macht damit den Blick auf das Wesentliche frei. Wenn ich mir ein Unternehmen genau angeschaut habe, sehe ich, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt und suche nach individuellen Lösungen, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind effizient, transparent und handelbar. Ich lege großen Wert darauf, dass die Zahlen eines Unternehmens zeitnah aufbereitet sind. Nur so kann man anhand von betriebswirtschaftlichen Ergebnissen sinnvolle, unternehmerische Entscheidungen treffen. Beispielsweise: Sie planen eine bedeutsame Investition und benötigen genaue Informationen, wie sich diese amortisieren kann oder sie überlegen, Fördermittel zu beantragen.
Bevor Sie also - um im Bild zu bleiben - Rasenflächen zurechtschneiden und Wege strukturieren, lassen Sie sich von der Geschäftsführung briefen und beobachten die Abläufe eingehend, ohne nur die Zahlen im Kopf zu haben?
Ja genau. Und gerade dafür ist es so wichtig, dass Unterstützung von außen kommt: Ich kann gar nicht betriebsblind sein. Mein Ziel ist es, eine für das Unternehmen passende Struktur zu finden, die stärkend auf das Kerngeschäft wirkt. Außerdem das Personal zu schulen oder die Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen zu finden. Damit sich jeder im Betrieb, sprich im Park, mit seinen Stärken einbringen kann.
Sind Sie auch privat eine so leidenschaftliche Landschaftsarchitektin?
Nein, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Derzeit beschäftige ich mich lieber mit Literatur, Kunst und auch Theater. Deshalb liegt mir auch die Finanzierung von Kultur, die ich ja ebenfalls anbiete, so am Herzen.
Das Interview führte Julia Rehder www.portraets-im-netz.de
